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Sa, 31.07. - Open Air Kino-Nächte 2010 am Schloss Gottesaue

Vincent will Meer

Drei junge Psychiatrie-Patienten brechen aus der Klinik aus und starten eine abenteuerliche Reise ins wirkliche Leben.
Geistiges Anderssein ist ein heikles Filmthema, auch wenn Barry Levinsons "Rainman" mit Dustin Hoffman als Autist eine Bresche schlug. Psychiatrie-Patienten oder Menschen in Therapie haftet trotz allem oft noch ein "Makel" an. Den wischt Regisseur Ralf Huettner in dieser Tragikomödie leichtfüßig weg. Gleich um drei Psychiatrie-Patienten geht es hier: Hauptfigur Vincent, ein an Tourette erkrankter junger Mann, eine renitente Magersucht-Patientin und einen Zwangsneurotiker. Sie hauen gemeinsam einfach ab aus der Klinik, in die Vincents Vater ihn nach dem Tod der Mutter geschickt hat, schnappen sich das Auto der Therapeutin und fahren gen Süden, genauer: ans Meer. Mit der Asche seiner Mutter, deren letzter Wunsch, noch einmal das Meer zu sehen unerfüllt geblieben ist, in einer Bonbon-Dose.
Für Vincents Vater, einen Vollblut-Politiker (herrlich überdreht gespielt von Heino Ferch), kommt der spontane Italien-Trip des Filius zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Es ist Wahlkampf. Negative Schlagzeilen gilt es daher um jeden Preis zu verhindern. Zusammen mit der Klinikpsychologin Dr. Rose nimmt er schließlich die Verfolgung des ungewöhnlichen Trios auf.

Hauptdarsteller Florian David Fitz schrieb das Drehbuch und schafft es, nach einem anfänglichen kurzen Schockmoment Interesse beim Zuschauer zu wecken. Das Tourette-Syndrom äußert sich durch motorische und verbale Tics, wie unkontrollierte Bewegungen und Geräusche, oft Flüche und obszöne Bemerkungen.
Ralf Huettner verknüpft die Zutaten des klassischen Roadmovies mit denen eines Vater-Sohn-Konfliktes gekonnt, wobei er die Figuren respektiert, ohne auf ihre Kosten Lacher einzufahren. Die Ausreißer sind liebenswerte Außenseiter, Florian David Fitz - weit weg vom Macho Dr. Marc Meier in der Arzt-Serie "Doctor's Diary" oder vom erfolgreichen Werbefuzzi in "Männerherzen" - zeigt sich sensibel und verletzbar, dickköpfig um Akzeptanz kämpfend. Karoline Herfurth überzeugt als junge Frau, die sich vor der Wirklichkeit in Magersucht flüchtet und Johannes Allmayer läuft als nerviger Zwangsneurotiker zu Hochform auf. Streckenweise erinnert "vincent will meer" im Mix aus Traurigkeit und Heiterkeit etwas an "Knockin' on Heaven's Door", nicht nur wegen des beliebten Filmtopos Meer als Sehnsuchtssymbol.


Deutschland 2010
Regie: Ralf Huettner
Darsteller: Florian David Fitz, Karoline Herfurth, Heino Ferch
Länge: 91 Minuten